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Sonntag, 30.Juli,
heute war um 13 Uhr der 2. Versuch mit dem Akkordeonisten
geplant. Wir waren aber vorgewarnt und haben einen
"falls er nicht kommt" - Plan erstellt.
Um 13 Uhr kam er wirklich nicht, also kam der
Harmonikaspieler zum Zug und Gloria und Sebastian
machten sich bereit, um vorzeitig die Stimmen
aufzunehmen. Mittlerweile haben wir einen neuen
Akkordeonspieler organisiert. Es ist Ismael Rudas,
der Sohn des gleichnamigen Akkordeonspielers,
der hier eine Legende ist und schon mit vielen
internationalen Stars aufgenommen hat. Dementsprechend
kostet auch ein Track mit ihm. Am Anfang ging
das Ganze ziemlich harzig los. Das Akkordeon wird
hier in zwei Durchgängen aufgenommen, Melodie
und Bassregister getrennt. Wir haben mit den Bässen
angefangen von "Costena". Das hat nicht
wirklich toll getönt und ich war drauf und
dran das Ganze zu kippen. Rayner hat dann vorgeschlagen
mit dem Vallenato "Morenita de Marbella"
anzufangen und zuerst die Melodiestimme aufzunehmen.
Da ging plötzlich die Sonne auf. Ismael hat
einen unglaublichen Sound mit einem wunderschönen
Vibrato. Wir haben dann bis am Morgen um 1 Uhr
"Morenita" und "Un Beso en la Luna"
aufgenommen. Das Akkordeon bekam mehr Gewicht,
als ursprünglich geplant. Ein Glücksfall.
Ismael hat mich dann nachhausegefahren. Er war
recht begeistert von unserem Projekt. Er hatte
noch nie vorher so eine Mischung gemacht. Er machte
auch ein Kompliment bezüglich der Gitarren,
was ich natürlich schätzte. Die leicht
bluesige Art zu spielen, ist eine Seltenheit hier,
was dem Ganzen scheinbar einen Exotenbonus gibt.
Samstag, 29. Juli,
Heute bin ich um 10 Uhr am Morgen im Studio angekommen.
El Juvenal y Edgardo kamen zur selben Zeit. Wir
haben bis 11 Uhr gewartet, dass der Akkordeonist
eintrudeln würde ... nichts. Wir haben dann
Einar angerufen, der scheinbar gewusst hat, dass
dieser gestern abend in Cartagena gespielt hat
und deshalb gar nicht um 10 Uhr hier sein konnte.
Zum ersten Mal hab ich die Geduld verloren und
bin ausgerastet. Nicht, dass diese Situation neu
für mich gewesen wäre. Allerdings vergrössert
sich damit die zeitliche Verzögerung und
Edgardo zeigt keine Anzeichen dafür den Ernst
der Situation zu erkennen. Im Gegenteil!
Ich hab um 12 Uhr den Bettel hingeschmissen und
bin dann an den Strand verreist bis zum Sonnenuntergang.
Jetzt bin ich wieder hier, viel ist allerdings
inzwischen nicht gelaufen. Ich hab nochmal meinem
Ärger Luft verschafft, worauf sich Rayner
geklemmt hat und nun wenigstens eine Lösung
für morgen sucht. Mal sehen... Wenn das so
weitergeht, werden wir im 24 h Rhythmus weiterarbeiten
müssen.
Rayner hat nun das Heft in die Hand genommen
und einen Arbeitsplan erstellt. Heute Nacht werden
die ersten Musiker kommen und wir werden eine
Nachtschicht einlegen. Zudem habe ich vorgeschlagen,
dass wir parallel in einem andern Studio fortlaufend
abmischen, was im Hauptstudio aufgenommen wird.
Wir werden dies mit Einar noch definitiv nageln
müssen. Einar hat inzwischen mehrfach angerufen
und ist bemüht darum das Problem zu lösen.
Langsam beginne ich wieder Ruhe zu bewahren.

Joseline (Sängerin), Gloria, Brandy Bopp
und Sebastian

Freitag, 28. Juli,
Ich scheine mich irgendwie von der zeitlichen
Orientierung losgelöst zu haben. Da wir 7
Tage pro Woche im Studio sind, habe ich den Faden
verloren. Gestern war ich im Glauben, dass wir
erst Mittwoch haben, deshalb gibt es im Tagebuch
keinen Donnerstag ;)
Gestern haben wir die restlichen Chorstimmen
aufgenommen. Am Abend habe ich mich entschlossen
die 2 Stücke "Costena" und "Carnaval"
zu singen, wie Einar dies unbedingt wollte. Er
glaubt, dass diese Stücke mit meiner Stimme
der Carnavalhit des nächsten Jahres werden.
Ich habe die Bedingung gestellt, dass ich nur
singe, wenn ein Whisky vor Ort ist und alle ausser
Einar und einem Tontechniker den Aufnahmeraum
verlassen. Die Bedingungen wurden akzeptiert und
ich nahm meine Stimmen auf mit einer billigen
Flasche Brandy im Aufnahmeraum und dem Studio
voll von Zuschauern, die Brandy Bopp singen hören
wollten. Innert kürzester Zeit war das Fest
voll im Gang und Jenny mit dem stärksten
Barranquilla-Akkzent wurde in den Aufnahmeraum
geschickt, um eine "Cantaleta" mit mir
zu veranstalten. Sie sollte die eifersüchtige
Ehefrau mimen, die ihrem festfreudigen Ehemann
den Carnaval verderben möchte. Einar konnte
sich nicht mehr halten vor Lachen und schrie:
esto es un goal!!
Heute morgen auf 9 Uhr war ein Akkordeonist bestellt.
Dieser ist pünktlich erschienen, läutete
und verschwand wütend wieder, als er hörte,
dass er der erste vor Ort ist. Ich kam um ca.
9.20 und noch niemand war da. Juvenal, der Tontechniker,
musste mit seinem Hund zum Tierarzt und kam deshalb
mit Verspätung. Einar war fuchsteufelswütend
und fluchte über die Arroganz der Vallenatoakkordeonisten.
Kurzerhand wurde ein Klarinettist bestellt und
einer ander Akkordeonist kam auf die 14 Uhr. Wir
haben 3 Stücke bearbeitet. Edgardo leitete
die Session mit dem Klarinettisten, die sich ein
wenig schwierig gestaltete. Mit dem Akkordeonisten
verstand ich mich auf Anhieb gut. Er war flexibel
genug, um meine unkonventionellen Ideen umzusetzen,
die Edgardo jeweils dazu verleiten demonstrativ
das Studio zu verlassen. Aber das gehörte
inzwischen zum Alltag...;) Ich habe grosse Freude,
wie dieses Stück "Dejate mirar"
geworden ist. Ich freue mich schon auf morgen,
da werden wir mit ihm zwei weitere Stücke
bearbeiten.


Mittwoch, 26. Juli,
Gestern haben wir die "costena" mit
den Chorstimmen aufgenommen. In einem Teil mussten
wir Carnavalstimmung erzeugen. Alle Anwesenden
mussten in den Aufnahmeraum und soviel Lärm
erzeugen, wie nur möglich. Ab da gab es kein
Halten mehr und wir hatten unseren kleinen Carnaval
im Studio. Es wurde getanzt und alle wollten von
meinem Magenmittel "Carmol" probieren.
Jeder musste einen Werbespot dazu drehen, den
wir dann mit meiner Kamera aufnahmen.
Um 23 Uhr verliessen wir völlig überdreht
das Studio und gingen einen Suizo
(Schweizer) essen. Suizos sind hier Hot Dogs,
die aber nicht vergleichbar sind mit den Dingern
in der Schweiz. Es gibt eine Karte mit etwa 10
verschiedenen Hot Dogvarianten. Um ca. 1 Uhr verliessen
wir das Restaurant und fuhren zum Hotel zurück.
Als ich heute um 8 Uhr erwacht bin, ist es noch
dunkel gewesen. Es hat leicht geregnet und ich
habe mich an das Gewitter vor 2 Wochen erinnert.
Ich bin deshalb unverzüglich mit dem Taxi
ins Studio gefahren, da ich nicht in der Strasse
oder im Hotel stecken bleiben wollte. Trotz der
geringen Niederschlagsmenge, hatten sich schon
Bäche gebildet, die vom höher gelegenen
Nordteil Barranquillas in den Süden hinunter
strömten. Bei Überqueren dieser Strassen,
reichte das Wasser bis zum Fenster des Taxis.
Mit etwas Bangen erinnerte ich mich daran, dass
diese Bäche ganze Busse mitreissen konnten.
Ich bin dann doch heil im Studio angekommen,
wo wir mit Juvenal Falla und Edgardo noch einmal
"Sin Mentiras" überarbeiteten.
Auch die Gitarren mussten überarbeitet werden
und ich fügte noch ein Intro und ein paar
Fills hinzu. Nico Tovar ist gegen Mittag im Studio
aufgetaucht, um die Aufnahmen seines Auftrittes
mit Einar in Cartagena abzumischen. Nico Tovar
ist ein Schützling von Emilio Estefan und
wohnt in Miami.


Dienstag, 25. Juli,
Gestern war ich ausnahmsweise mal früh im
Hotel. Ich habe auf das Nachtessen verzichtet
und bin früh schlafen gegangen. Heute morgen
bin ich wieder einmal ins Einkaufszentrum gegangen,
zu meinem üblichen Fruchtsalatbuffet. Ich
hab auch einen Kaffee bestellt. Als ich aber merkte,
dass er aus Hahnenwasser gemacht und anschliessend
im Mikro erhitzt wurde, habe ich dann darauf verzichtet
ihn zu trinken. Ob ich wohl deshalb immer Magenkrämpfe
hatte?
Um 9 Uhr ist es wieder losgegangen. Im Studio
war Tomaso, der Experte in Sachen Folkloreperkussion,
Egardo und ein neuer Tontechniker. Rayner sah
gestern ziemlich übermüdet aus. Es geht
alles wesentlich ruhiger zu und her. Während
bei Rayner immer 2 Natels gleichzeitig läuten
und immer mehrere Leute ihn hier aufsuchen, ist
immer etwas los. Die Ruhe, die heute herrscht
erinnert mich an die Schweiz ;)
Um 11 Uhr kommen Gloria, Sebastian und die Zwillinge.
Einar ist auch da, während Tomaso die Perkussion
von "Costena de Barranquilla" einspielt.
Einar ist absoluter Fan von diesem Stück
und will unbedingt, dass ich es singe. Einar spricht
so schnell, dass ihn nicht einmal seine Freunde
verstehen. (siehe Video). Rayner sagt ihm dann
jeweils, er solle im 4/4 Takt sprechen, damit
man ihn verstehe.
Ab 16 Uhr waren wieder Chorstimmen geplant. Zuerst
"Mentiras", "Amargura" und
zum Abschluss das aufwändigere "Costena
de Barranquilla"

Montag, 24.
Juli,
Gestern haben wir bis 10 Uhr gearbeitet. Heute
morgen um 9 Uhr sollte es eigentlich weitergehen.
Egardo war bereits im Studio mit 2 Musikern einer
Vallenato Band. Rayner verschlief sich, so dass
wir erst um 10 Uhr loslegen konnten. Einer der
Musiker, Leo, ist ein fantastischer Vallenatobassist.
Wir luden ihn spontan ein, die Bassspur in "Morenita"
einzuspielen. Danach spielte Egardo 3 weitere
einfachere, aber unglaublich groovende Babybasslinien
ein. Sicherlich einer der Höhepunkte. Etwas
später kam die venezolanische Sängerin
Indira vorbei, die mit Leo eine Boleroformation
gründen will. Sie spielen sich gegenseitig
ihre Kompositionen vor. Leo ist ein hervorragender
Sänger, Komponist und Gitarrist. Wir beschliessen
ihn als Sänger für den Vallenato zu
engagieren.
Am Mittag muss Rayner noch einen Jingle für
Klopapier aufnehmen, da ihm die Chefin der Jingleagentur
das Messer an den Hals gesetzt hat. Für uns
gibt es wieder eine Verzögerung. Dann schaut
noch Martin Madera mit Julio Milano vorbei. Martin
Madera ist der Grammypreisträger, der zusammen
mit Einar Escaf "Carlos Vives" produziert
hat. Da Rayner den ganzen Monat mit uns arbeitet,
stauen sich seine Termine an. Er vertröstet
den "grossen" Martin Madera auf später.
Er sollte ihm noch ein Stück neu abmischen.
Ein seltsames Gefühl, dass ein Grammypreisträger
hinten anstehen muss. Er scheint deswegen auch
ein wenig eingeschnappt zu sein.
Am Abend haben wir mit den ersten Chorstimmen
begonnen. Das erste Lied sollte meine Lieblingskomposition
"Un Beso en la Luna" sein. Für
die Chorstimme hat Egardo eine Schülerin,
Joseline, eingeladen. Die Chorstimmen von Sebastian,
Gloria und Josefine harmonieren wunderschön.
Zu hören, dass ein eigenes Stück mit
solcher Magie gesungen wird, ist ein überwältigendes
Erlebnis. In diesem Moment bin ich mir bewusst,
dass das Ganze, was ich hier erleben darf, wie
ein Traum ist, aus dem ich nicht erwachen möchte.
Über zwei Wochen mit soviel Talent und Ambiente
umgeben zu sein, ist unbeschreiblich. Dazu das
ganze Gemisch einer ungewöhnlichen Stadt,
umgeben von der Karibik und dem Rio Magdalena,
dem Ort, wo das Zusammenprallen der Kulturen Afrikas,
Europas und der indianischen Ureinwohner eine
Vielfalt von Musikstilen hervorgebracht hat.


Sonntag, 23. Juli,
Gestern haben wir vom 9 Uhr morgens bis am Morgen
um 3 Uhr aufgenommen. Wir konnten die Gitarren
von 3 Stücken zu Ende bringen und nun fehlt
nur noch der Merengue. Anschliessend sind die
Bassspuren und der Gesang dran. Heute haben wir
erst am Mittag angefangen. Heute war Egardo's
Tag. Er hat tolle Gitarrenideen entwickelt und
einen fantastischen Bass eingespielt...Wahnsinn!

Montag, 17. - Samstag 22.
Juli,
Einar und Rayner sind zurück und wir beginnen
damit die Gitarrentracks aufzunehmen. Das Ganze
geht nun viel einfacher, wir kommen voran. Wir
haben aber fast 2 Tage verloren und ich spüre
langsam den Zeitdruck. Am Montagnachmittag kommt
Gloria und Sebastian zum ersten Mal ins Studio.
Neben meinen Gitarren, nehmen wir mit Frank und
Cello auf, die Tres- und zusätzliche Gitarrenspuren
einspielen. Ich komme kaum zu etwas anderem, als
Gitarren einzuspielen, fast 12 Stunden am Tag.
Am Donnerstag fühle ich mich ausgelaugt und
bin froh, dass ich am Nachmittag freinehmen kann.
Cello wird in Sebastians Kompositionen die Gitarrenspuren
einspielen. Sebastian hat eine andere Handschrift
als ich und er möchte gerne Drums einbauen,
sogar ein Regueton kommt kurzfristig ins Repertoire.
Ich habe ein bisschen Angst, dass das ganze Projekt
soundmössig nicht bündig wird. So wie's
aussieht, müssen wir auch am Sonntag ins
Studio. Einzig am Abend gönnen wir uns ein
bisschen Ausgang. Wir besuchen am Mittwoch eine
Bar, die den Karneval vom Februar nachholt, mit
2 Folklorebands und Tänzerinnen. Ayleen singt
in der zweiten Formation. Es wird 2 Uhr morgens
:( und ich muss um 8 Uhr wieder im Studio sein.
Am Freitag spielen Cello und Frank mit ihrem Son-Quintett
im Restaurant "La Cueva". Cello spielt
Bass. Unglaublich sein Sound, seine Präzision
und der Groove. Am Samstagmorgen bin ich wieder
um 8 Uhr im Studio, Einar ist kaum ansprechbar.
Er hat seit Montag mit uns von 8-20 Uhr gearbeitet
und anschliessend bis 1 Uhr eine Folkloreband
aufgenommen. Wir brauchen alle eine Pause, aber
zeitlich sind wir im Verzug.


Sonntag, 16. Juli,
Da in Kolumbien Parranda unweigerlich mit Alkohol
verbunden ist, geht es mir heute nicht sonderlich
gut. Den ganzen Tag hindurch ist es mir schwindlig
und ich habe Durchfall :) Gloria, Sebastian kommen
am Abend in Barranquilla an, wo ich sie abhole.
Glorias Zwillinge Gloria und Jessica sind auch
mit dabei. Nach den Aufnahmen werden sie ihre
Familien in Cucuta besuchen.

Samstag, 15. Juli,
Rayner ist heute nicht erschienen, da er scheinbar
angenommen hat, dass ich nach Cartagena gehe.
Ich schaue mit Egardo die Grooves von Obate an
und wir nehmen auch einige Tracks auf. Am Aufnahmepult
ist Jose "Come Gato", ein junger Typ,
der ab und zu hier ist und den Computer ein wenig
kennt. Allerdings kommen wir nicht voran, ich
habe einen miserablen Sound, die Gitarren klingen
nicht und ich kriege keinen sauberen Groove hin.
Ich bin recht frustriert. Am Abend ist im Restaurant
"Patio Sabanero" Parranda angesagt.
Es spielen folkloristische Gruppen. Eine erinnert
mich an Guggenmusik, die andere ist rein perkussiv
mit einer Gaita und Gesang. Beide haben einen
treibenden, hypnotisierend Groove. Die Zuschauer
tanzen sich in Trance. Afrika grüsst.

Freitag, 14. Juli,
Der heutige Tag hat mit einem heftigen Gewitter
begonnen. Auf dem Weg zum Studio begann es zu
regnen, wie ich es noch kaum einmal erlebt hatte.
Wir mussten uns in einem Centro Commercial in
Sicherheit bringen, da sich die Strassen innert
Minuten reissende Bäche verwandelten. Das
Unwetter dauerte zwei Stunden und legte ganz Barranquilla
lahm. Wir konnten deshalb mit den Studioaufnahmen
erst gegen Mittag beginnen. Wir beendeten die
Aufnahmesessions mit Aylen und versuchten dann
erste Gitarrentracks zu legen. Ich habe mich dann
entschieden nicht nach Cartagena zu gehen, um
mit Einar an die Eröffnungsfeier zu gehen.
Wir waren durch die zwei Tage mit Eileen in Rückstand
geraten. Zudem hatte Ecardo (alias Ricardo....hab
den Namen leider falsch mitgekriegt...;) beschlossen
mit mir die karibischen Rhythmen genauer anzuschauen.
Ich hatte in meiner Vorproduktion alles so gespielt,
wie ich fand, dass es tönte. Ich musste bald
mal merken, dass die Rhytmik massiv komplexer
war, als ich dies bisher angenommen hatte. Schade,
denn Carlos Vives singt morgen und es wäre
schon ein Erlebnis ihn kennen zu lernen.

Donnerstag, 13. Juli,
Heute bin ich erst um 8.30 Uhr erwacht, womit
wieder keine Zeit blieb, irgendwas für den
Kühlschrank zu kaufen. Die Kleider reichen
noch knapp 2 Tage.... Als ich um 9 Uhr im Studio
ankam, war Aylen "La Negra" schon da.
Wir hatten beschlossen, sie den Pilot für
"Oba" singen zu lassen, da meine Audiofiles
aus der Schweiz verloren gegangen waren. Ricardo
hat einige Korrekturen am Text und an der Phrasierung
vorgenommen. Aylen ist ein Energiebündel!
Ricardo, der sonst sehr steif und mürrisch
dreinblickt, liess sich sogar zum einem Tänzchen
mit ihr hinreissen....CANDELA!!
Am Anfang verliefen die Aufnahmen ziemlich harzig.
Aylen hatte das Feeling für den Song noch
nicht gefunden und Ricardo begann sehr früh
Korrekturen anzubringen. Ich habe daraufhin sie
den Song mehrfach singen lassen, ohne einzugreifen,
damit sie sich einleben konnte. Ricardo verliess
ein wenig eingeschnappt das Studio, um frische
Luft zu schnappen.
Als wir soweit waren, dass ich das Gefühl
hatte, dass wir dorthinkamen, wo ich wollte, kam
Ricardo wieder herein. Nun kam er zum Zuge und
machte die notwendigen rhytmischen Korrekturen.
Von da an begann die Zusammenarbeit zu klappen
und "La Negra" liess unsere Herzen höher
schlagen.

Mittwoch 12. Juli,
Ich erwache um 8 Uhr und hole ein bisschen Schlafdefizit
auf. Zum ersten Mal gelingt es mir mit dieser
lauten und kalten Klimaanlage zu schlafen. Im
Zimmer wären es sonst über 30 Grad.
Zeit zum Frühstücken habe ich nicht,
denn um 9 Uhr geht es wieder los. Es sind bereits
alle da und wir definieren das Vorgehen meines
Stückes "Amargura". Hier prallen
zum ersten Mal unsere unterschiedlichen Vorstellungen
aufeinander. Während ich vorallem möchte,
dass das Ganze in die Beine geht, hat Ricard ziemlich
fixe Vorstellungen davon, was man tun darf und
lassen sollte. Ich spüre sehr schnell, dass
Fabian weiss, was ich möchte und schlage
deshalb vor, dass er einfach spielen solle, was
er gut finde und dass wir im 2. Durchgang weitere
Ideen realisieren können. Ricardo gibt nach,
bleibt aber skeptisch. Das Ganze kommt nun viel
natürlicher daher und auch Ricardo scheint
sich mit dieser Vorgehensweise anzufreunden. Nach
dem Mittagessen geht es mit "Currumba"
weiter, einem mehr folkloreorientierten Stück.
Wir kommen heute sehr weit und erledigen fast
die Perkussionsspuren von fast allen Stücken.
Fabian spielt die Congas, Bongos, Guiro und die
Timbales, Reynar übernimmt die restliche
Kleinperkussion. Zum Klatschteil von Currumba
müssen alle bis zum Dienstpersonal ins Studio
zur Aufnahme. Um 10 Uhr ist heute Schluss.

Dienstag 11. Juli,
Ich erwache um 6 Uhr, checke meine Mails und sehe,
dass Gloria die neueste Komposition von Sebastian
gemailt hat. Damit sind nun alle Songskizzen vorhanden.
Als ich um 9 Uhr im Studio ankomme, sind schon
alle an der Arbeit. Die Studiotemperatur beträgt
18 Grad. Ricardo arbeitet mit Jacke und ich nehme
mir vor, nächstes Mal den Pulli mitzunehmen.
Auf dem Computer werden Spuren bereitgemacht,
Perkussionsinstrumente auf Ihren Sound gecheckt
und Mikrofoneinstellungen geprüft. Heute
ist der absolute kolumbianische Perkussionssuperstar
Fabian Picon vorgesehen, um die Perkussionsspuren
in den Salsastücken zu legen. Alle im Studio
haben grossen Respekt vor ihm, denn seine Arbeit
mit Niche und Joe Arroyo ist legendär. Er
spielt mit unglaublichen Groove und Präzision.
Wir arbeiten anschliessend mit Einar und Ricardo
bis Mitternacht, um alle Stücke mit Ihren
Arrangements durchzugehen. Einar muss um 5 Uhr
wieder raus, da er für die "Juegos Centro
Americanos" in Cartagena eine Band zusammenstellen
musste, die eine einstündige Show für
die Eröffnungsfeier bestreitet. Bis am Samstag
wird er jeden Tag im Stadium für den Auftritt
am Sonntag proben. In dieser Zeit müssen
wir ohne ihn auskommen. Gerne hätte ich ihn
begleitet, allerdings erlaubt dies das Projekt
zur Zeit noch nicht. Vielleicht gehe ich am Samstag.

Montag 10. Juli,
Ricardo und Reynar von Einars Team haben die ganze
Nacht hindurch Midifiles erstellt von unseren
Kompositionen, die wir Ihnen via email in Form
von mp3 files zugestellt haben. Da man mich gewarnt
hat, dass die Barranquilleros eher gemächlich
arbeiten, lasse ich alles Material in unserer
Mietwohnung und beschliesse diesen ersten Tag
als Planungstag zu nutzen. Allerdings werde ich
eines anderen belehrt. Einar hatte mich scheinbar
schon am Sonntag Nacht im Studio erwartet und
alle wollen loslegen. Wir überarbeiten die
"Pilottracks" um etwelche Fehler zu
beseitigen. Ricardo ist ein absoluter Perfektionist.
Fehler macht er nicht!! Wir nehmen bereits erste
Perkussionsspuren auf. Um Mitternacht machen wir
Schluss. Ricardo und Reynar haben einen 24 Std
Tag hinter sich.

Sonntag, 9. Juli,
Während Italien und Frankreich Penalty schiessen,
lande ich mit der Air France in Bogota. Zum Glück
erfolgte die Landung vor der dem entscheidenden
Penalty. Allerdings fehlte dann bei der Gepäckausgabe
eine meiner beiden Gitarren, die in Paris liegen
geblieben war. Um 19 Uhr geht es weiter nach Barranquilla,
wo wir in der Nacht landen. Es herrscht eine immense
Hitze und Luftfeuchtigkeit.
Samstag, 8. Juli,
Heute ist unser letzter Auftritt in Thun, bevor
ich nach Barranquilla, Kolumbien abfliege, mit
11 Eigenkompositionen im Gepäck von Guiomar,
Sebastian, Gloria und mir. Seit 2 Jahren laufen
schon die Vorbereitungen für dieses nicht
ganz risikofreie Projekt. Allerdings ist es eine
einmalige Chance, die uns der Zufall beschert
hat, mit dem kolumbianischen Musiker und Produzenten
Einar Escaf zusammenarbeiten zu dürfen. Er
war derjenige, der für Carlos Vives den Grundstein
zum neuen Vallenatosound gelegt hat und damit
Welterfolge feierte. Es ist ein Traum für
uns, mit diesem grossartigen Musiker arbeiten
zu dürfen.
Nach dem Auftritt in Thun geht es direkt zum
Flughafen, denn um 5 Uhr ist Check-in. Gloria
und Sebastian kommen eine Woche später nach,
da Zürich eine Woche später Ferien hat.
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